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Digitale Souveränität: Europäische Alternativen zum Silicon Valley (Stand 2006)

In einer zunehmend vernetzten Welt ist die Abhängigkeit von US-amerikanischen Tech-Giganten („Big Tech“) wie Google, Microsoft, Amazon und Meta ein zentrales Thema der digitalen Souveränität geworden. Europa hat in den letzten Jahren massiv in eigene Infrastrukturen investiert, um Datenschutz (DSGVO-Konformität) und technologische Unabhängigkeit zu fördern.

Diese Seite entstand im Rahmen des di.day, jeden 1. Sonntag im Monat soll digitale souveränität zurückerobert werden. Die wohl am besten gepflegten Wechselrezepte und Alternativen gibt es wohl auf der Seite dieser Initiative. Eine weitere extrem umfangreiche Linksammlung ist die Kuketz-Blog Empfehlungsecke, da geht es um Datensouveränität allgemein. Dennoch kochen wir hier auch unser eigenes Süppchen.
Die Idee dieser Wikiseite ist: da wo Wechselrezepte aufhört machen wir hier weiter, ergänzen z.B. den Firefox Browser um einen Account, um Bookmarks unter allen Geräten zu spiegeln.

1. Suchmaschinen: Privatsphäre statt Datensammlung

Während Google den Markt dominiert, bieten europäische Suchmaschinen Ergebnisse ohne umfassendes Nutzertracking.

Ecosia (Deutschland): Nutzt die Einnahmen aus Suchanzeigen zum Pflanzen von Bäumen.

Qwant (Frankreich): Eine Suchmaschine, die keine persönlichen Daten speichert und keine Werbetracker verwendet.

Startpage (Niederlande): Liefert Google-Ergebnisse, fungiert aber als Schutzschild, sodass Google keine Daten über den Nutzer erhält.

Swisscows (Schweiz): Fokus auf familienfreundliche Inhalte und absolute Privatsphäre.

2. E-Mail & Kalender: Verschlüsselung aus der EU

Europäische Anbieter punkten vor allem durch die strikte Einhaltung der Datenschutzgesetze (DSGVO) und den Einsatz von Zero-Knowledge-Verschlüsselung. Im Gegensatz zu vielen US-Diensten haben diese Anbieter technisch oft keine Möglichkeit, die Inhalte Ihrer E-Mails mitzulesen.

Im Folgenden finden Sie die wichtigsten europäischen Akteure und ihre Schwerpunkte im Vergleich zu den bekannten Diensten aus dem Silicon Valley:

Proton Mail (Schweiz): Dieser Dienst gilt als weltweit führend bei der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Er ist die primäre Alternative für Nutzer von Gmail oder Outlook, die Wert darauf legen, dass ihre Daten physisch in der Schweiz gespeichert werden und unter das dortige strenge Datenschutzrecht fallen.

Tuta (ehemals Tutanota, Deutschland): Tuta setzt auf maximale Sicherheit und bietet bereits Schutzmaßnahmen gegen zukünftige Entschlüsselungsversuche durch Quantencomputer (Post-Quanten-Sicherheit). Es ist eine schlanke und hochsichere Alternative zu Gmail.

Posteo (Deutschland): Hier stehen Nachhaltigkeit und Anonymität im Vordergrund. Posteo wird mit Ökostrom betrieben und ermöglicht eine komplett anonyme Anmeldung und Bezahlung. Damit ist es ein starker Gegenentwurf zu werbefinanzierten Diensten wie Yahoo Mail.

Mailbox.org (Deutschland): Dieser Anbieter richtet sich besonders an Business-Nutzer. Neben sicheren E-Mails bietet er eine komplette Office-Suite (Dokumente, Tabellen, Präsentationen) im Browser an und ist somit eine datenschutzfreundliche Alternative zu Microsoft 365.

3. Echtzeit-Geldtransfer, Kommunikation & Messaging

Messenger aus Europa sind oft sicherer, da sie weniger Metadaten sammeln als die Dienste von Meta (WhatsApp). Dienste wie PayPal oder Klarna sind aus Datenschutzgründen nicht empfehlenswert.

SEPA instant payment oder Echtzeitüberweisung ermöglicht Gutschrift auf dem Zielkonto innerhalb von 10 Sekunden. Die Kontodetails des Zielkontos müssen dafür bekannt sein, was z.B. bei zahlung per Vorkasse gegeben ist.

WERO (europäisches Gemeinschaftsprojekt) basiert auf SEPA instant payment und soll statt PayPal für europaweiten und komfortablen Bargeldtransfer in Echtzeit sorgen. WERO wird von immer mehr Banken in Europa unterstützt, wenn auch noch nicht flächendeckend.

Threema (Schweiz): Volle Anonymität möglich, da keine Telefonnummer verknüpft werden muss.

Wire (Schweiz/Deutschland): Fokus auf Unternehmen und sichere Kollaboration.

Element / Matrix (EU-weit): Ein dezentrales Protokoll, das Souveränität durch Föderation ermöglicht (wird oft in Behörden genutzt).

Olvid (Frankreich): Ein Messenger, der komplett ohne zentralen Server für die Authentifizierung auskommt.

4. Cloud-Speicher & Kollaboration

Alternativen zu Google Drive, OneDrive und Dropbox bieten oft mehr Kontrolle über den Speicherort der Daten.

Nextcloud (Deutschland): Eine Open-Source-Plattform für Dateispeicherung, Kalender und Kontakte, die auf eigenen Servern gehostet werden kann.

Hetzner Online (Deutschland): Professionelles Hosting und Cloud-Infrastruktur mit exzellentem Preis-Leistungs-Verhältnis.

OVHcloud (Frankreich): Der größte europäische Cloud-Anbieter, eine echte Alternative zu AWS und Azure.

Infomaniak (Schweiz): Ein ökologisch orientierter Cloud-Dienstleister mit einer kompletten Office-Suite (kDrive).

5. KI und Navigation

Auch in den Bereichen Künstliche Intelligenz und Navigation gibt es starke europäische Player:

KI-Übersetzung: DeepL (Deutschland) gilt oft als qualitativ überlegen gegenüber Google Translate.

KI-Modelle: Mistral AI (Frankreich) bietet leistungsstarke Large Language Models als Open-Weight-Alternativen.

Navigation: HERE WeGo (Niederlande) ist ein bedeutender Kartendienst, der unabhängig von Google Maps agiert.

6. Adieu Microsoft... => Linux auf dem Desktop

Linux Mint ist eine der beliebtesten Betriebssystem-Alternativen für Menschen, die genug von den Einschränkungen von Windows 11 haben. Es ist sicher, kostenlos und sieht Windows sehr ähnlich, was den Umstieg besonders leicht macht.

Download-Quellen

Um Linux Mint zu installieren, lädst du dir am besten die Cinnamon Edition herunter. Sie bietet das modernste Erlebnis und ist am einfachsten zu bedienen.

Linux Mint Download (Main Page): die offizielle Download-Seite

Linux Mint 22 "Wilma" (ISO Image): Direkt-Download (Deutschland - Friedrich-Alexander Universität)

Tipp: Du benötigst einen leeren USB-Stick (mind. 8GB), um mit Tools wie BalenaEtcher ein Installationsmedium zu erstellen.

Warum Linux Mint statt Windows 11?

Privatsphäre und Datensicherheit

Während Windows 11 standardmäßig viele Telemetriedaten und Nutzerverhalten an Microsoft sendet, respektiert Linux Mint deine Privatsphäre.

Hardware-Anforderungen

Windows 11 setzt moderne Hardware (TPM 2.0-Chip) voraus, was viele ältere, aber noch perfekt funktionierende PCs zum „Elektroschrott“ macht.

Merkmal Windows 11 Linux Mint
Kosten Lizenzgebühr (ca. 100€ oder Hardware-Kauf) Völlig kostenlos
Datenschutz Hochgradige Telemetrie Keine Spionage
Software Microsoft Store & .exe Downloads Sicherer „Software Manager“ (wie ein App Store)
Freiheit Stark vorgegebenes Design Alles kann angepasst werden
Sicherheit Anfällig für Viren (Antivirus nötig) Von Natur aus sehr sicher (kaum Virengefahr)

Native Linux-Alternativen für Windows-Programme

Der Wechsel zu Linux Mint bedeutet nicht, dass du auf deine gewohnten Arbeitsabläufe verzichten musst. Fast jedes Windows-Programm hat eine Entsprechung unter Linux. In dieser Liste findest du die besten nativen Anwendungen, die direkt auf Linux Mint laufen.

Wichtiger Hinweis: Unter Linux Mint ist der sicherste Weg zur Installation die Anwendungsverwaltung (im Startmenü). Die unten stehenden Links dienen zur Information und zum manuellen Download, falls gewünscht.

Diese Programme decken 90 % der täglichen Aufgaben wie Büroarbeit, Internet und Medien ab.

Windows-Programm Linux-Alternative Download / Info
Microsoft Office LibreOffice (vorinstalliert) Offizielle Seite
Microsoft Outlook Mozilla Thunderbird Offizielle Seite
Adobe PDF Reader Okular oder Xreader Okular Seite
Microsoft Edge / Chrome Firefox (Standard) oder Google Chrome Chrome für Linux
Windows Media Player VLC Media Player VLC Seite
OneDrive / Dropbox Nextcloud oder Insync Insync (für OneDrive)
WinRAR / 7-Zip Archivverwaltung (integriert)
Spotify Spotify (Linux Client) Spotify für Linux
WhatsApp Desktop WhatsApp Web oder ZapZap ZapZap (Flatpak)

Lösungen für Fachanwender

Exemplarisch ist hier Software speziell für Maker aufgelistet, in den Bereichen CAD, Bildbearbeitung und Videoschnitt. Es gibt natürlich weitaus mehr, was nur eine Internetrecherche entfernt liegt.

CAD & 3D-Modellierung

Hier gibt es mehrere Wege: kostenlose CAD Software oder kommerzielle native Linux-Software. Wie Sie Windows Software unter Linux betreiben können wird weiter unten behandelt. Ein paar Beispiele:

FreeCAD: Ein parametrischer 3D-Modellierer, ideal für Maschinenbau und 3D-Druck (ähnlich wie Autodesk Inventor).

Download LibreCAD: Spezialisiert auf 2D-Zeichnungen, vergleichbar mit den 2D-Funktionen von AutoCAD.

BricsCAD (Kostenpflichtig): Wer absolut nicht auf die AutoCAD-Oberfläche und DWG-Kompatibilität verzichten kann, findet hier eine native Profi-Lösung.

Blender: Weltklasse-Software für 3D-Animation und Modellierung. In vielen Bereichen bereits Marktführer vor Windows-Konkurrenten.

Bildbearbeitung & Grafikdesign

GIMP, Der mächtige Ersatz für Adobe Photoshop. Mit dem „PhotoGIMP“-Patch lässt es sich sogar optisch angleichen.

Download Krita, Spezialisiert auf digitales Zeichnen und Illustration. Oft besser als Photoshop für Künstler.

Inkscape, die Profi-Alternative zu Adobe Illustrator für Vektorgrafiken.

Darktable, ein extrem leistungsstarker Ersatz für Adobe Lightroom zur RAW-Entwicklung.

Videoschnitt & Postproduktion

DaVinci Resolve: Die exakt gleiche Software, die auch unter Windows/Mac genutzt wird. Profi-Standard für Color Grading und Schnitt.

Kdenlive: Ein sehr einsteigerfreundlicher, aber mächtiger Editor, vergleichbar mit Adobe Premiere oder Vegas Pro.

Shotcut: Ein schlanker, intuitiver Editor für den schnellen Zuschnitt.

Installationstipp für Linux Mint

Die meisten dieser Programme findest du in der Anwendungsverwaltung von Linux Mint. Dort hast du oft die Wahl zwischen zwei Formaten:

1. **System-Paket (.deb):** Stabil, gut integriert, oft etwas ältere Versionen.
2. **Flatpak:** Brandaktuell, isoliert vom restlichen System, benötigt aber mehr Speicherplatz.

Windows-Software unter Linux Mint nutzen

Der Umstieg auf Linux Mint ist einfach, aber oft stellt sich die Frage: „Was mache ich mit meinen alten Windows-Programmen (.exe)?“ Da Linux ein anderes System ist, funktionieren Windows-Dateien nicht direkt per Doppelklick.

Windows-Programme mit "Bottles" oder "Wine" ausführen

Wenn es keine Alternative gibt, kannst du versuchen, die Windows-Datei (.exe) direkt unter Linux auszuführen. Dafür gibt es eine „Übersetzungsschicht“ namens Wine. Sie übersetzt Windows-Befehle so, dass Linux sie versteht.

Hier eine Anleitung, wie man Autodesk Fusion 360 unter Linux mit Hilfe von Wine zum laufen bringt.

Empfehlung: Bottles (Flaschen) Für Einsteiger ist das Programm Bottles ideal. Es bietet eine einfache grafische Oberfläche, um Windows-Programme in einer geschützten Umgebung zu installieren.

1. Öffne die **Anwendungsverwaltung**.
2. Suche nach **Bottles** und installiere es.
3. Erstelle in Bottles eine neue "Flasche" (Umgebung) und wähle deine .exe-Datei aus.
Hinweis: Aufwendige Programme wie die Adobe Creative Cloud oder sehr moderne Spiele mit speziellen Anti-Cheat-Systemen funktionieren über Wine/Bottles oft nicht.

Virtuelle Maschinen (zum Parallelbetrieb von Linux und Windows)

Wenn der Umzug von Win auf Linux noch nicht ganz vollzogen ist und Ein Parallelbetrieb beider Systeme notwendigt ist, kannst du ein „Windows im Fenster“ innerhalb von Linux Mint starten.

Wo finde ich Hilfe?

Wenn ein Programm hakt, hilft oft eine kurze Suche bei linuxmintusers.

weitere Schritte/coming soon

- Google Browser Alternativen =⇒ Firefox installieren, als Standardbrowser einrichten, Account einrichten um Bookmarks zu syncen, Firefox auf allen Geräten installieren
- Passwortmanager/A6 Papierheft/Apps
- Daten von Mobilgeräten abseits von iCloud und Google Drive sichern
- todo: Auflistung von cloud connected devices im eigenen Haushalt (vom Staubsaugerroboter über das Smart TV bis zur Fitnessuhr) um die eigene Abhängigkeit von cloud services zu realisieren. Die Liste aller angemeldeten Geräte im heimischen Router sowie Apps auf dem eigenen Smarphone sollten alle Geräte aufzeigen.